Theater oder so
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Die blutroten Schuhe

von Charles Way

Schauspiel | Musik | Tanz

Es war einmal ein kleines, hübsches aber armes Mädchen namens Karen, das im Sommer barfuß gehen musste und für den Winter nur ein paar klobige Holzschuhe besaß – bis sich die alte Dorfschusterin erbarmte und aus alten roten Tuchlappen Schuhe für Karen nähte. Weil man bei einer Beerdigung keine roten Schuhe trägt, lief Karen allerdings wieder barfuß, als ihre Mutter zu Grabe getragen wurde. Eine vornehme ältere Dame, die das sah, nahm sich des Waisenmädchens an. Sie kleidete Karen ein und ließ die roten Schuhe ins Feuer werfen. Als die Königin mit ihrer Tochter das Land bereiste und vom Volk bejubelt wurde, fielen Karen die roten Saffianschuhe der Prinzessin auf. Kurz darauf wurde sie für die bevorstehende Einsegnung neu eingekleidet und entschied sich für ein Paar feiner roter Schuhe. Die alte Dame hätte nicht zugelassen, dass Karen bei der Einsegnung rote Schuhe trug, aber sie war inzwischen fast erblindet und konnte die Farbe nicht erkennen. So kam es, dass in der Kirche alle auf Karens rote Schuhe starrten.
Bei einem sonntäglichen Kirchgang mit ihrer Pflegemutter trug Karen wieder ihre roten Schuhe. Als sie nach der Messe in die Kutsche steigen wollte, wunderte ein alter Soldat sich über die schönen Tanzschuhe, und Karen fühlte sich dazu ermuntert, ein paar Tanzschritte auszuführen. Aber sie konnte mit dem Tanzen nicht mehr aufhören: die Schuhe tanzten von allein weiter. Erst als sie die roten Schuhe abstreifte, kamen ihre Beine zur Ruhe. Während die alte Dame sich zum Sterben niederlegte, ging Karen mit ihren roten Schuhen auf einen Ball. Wieder machten die Schuhe sich selbstständig und zwangen Karen, unermüdlich zu tanzen, hinaus aus dem Ballsaal und bis in den finsteren Wald hinein. Vergeblich versuchte sie, die Schuhe auszuziehen: sie saßen an ihren Füßen fest. Eines Tages tanzte sie an dem Haus vorbei, in dem sie gewohnt hatte und sah, wie der Sarg mit ihrer Gönnerin herausgetragen wurde. Endlich kam sie tanzend zum Haus des Scharfrichters. Den bat sie verzweifelt, ihr die Füße mit den Schuhen abzuschlagen. Die Schuhe tanzten mit den Stümpfen weiter. Für Karen schnitzte der Scharfrichter Holzprothesen und Krücken. Damit ging sie in die Kirche, um zu beten – aber da tanzten die roten Schuhe vor ihr her und sie kehrte entsetzt um. Schließlich nahm die Pfarrersfrau sie als Dienstmagd auf, aber Karen wagte sich nicht mehr in die Kirche. Erst als ihre Seele zum Himmel auffuhr, fragte niemand mehr nach den roten Schuhen.

 

Regie:                           Jessica Klauß | Kathrin Maier

Franvera:                       Noemi Dabrovski

Vater | Rotbart | Doktor:   Thomas Rausch

Mutter| alte Frau:           Joya Ghosh

Soldat:                                   Jörg Harald Werron

Soldat | Musiker:            Sylvain Sauzet (Geige)

Fotos:                           Phillipp Rieß

Chor:                                 Chor der Pfarrei Hl. Geist

 

Premiere: 25. Oktober 2014

weitere Aufführungen: 26. und 27. Oktober 2014

 

Aufführungsort: Kath. Kirche Heilig Geist, Riederwald

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